„Dogville“, Schauspiel Köln, Premiere am 06.09.2014

Es muss für die Zuschauer der Kölner Premiere ein Vorteil gewesen sein, den Film “Dogville” von Lars von Trier nicht zu kennen. Dann öffnet sich auf der Bühne ein kleinbürgerlicher Kosmos, der berühren kann. Doch sollte das Kölner Schauspiel und insbesondere der das Stück auf die Bühne bringende Bastian Kraft davon ausgehen, dass der 2003 von Lars von Trier erdachte und inszenierte Spielfilm bekannt ist. Und wer den Film vielleicht in Vorbereitung des Premierenabends erneut angesehen hat, hätte einen der letzten Sommerabende besser vor dem Kölner Depot verbracht, wo es gelungen ist, rund um das Mühlheimer Carlswerk aus der “Notunterkunft” für das in Renovierung befindliche Schauspielhaus einen überaus attraktiven Spielort zu machen. In stickig warmer Luft wurde in nur wenig gekürzter Fassung (2 Stunden 20 Minuten ohne Pause) das Filmstück nahezu 1:1 auf die Bühne gebracht. Wobei über der Bühne eine riesige Spiegelfläche nicht nur die Aufsicht auf das Geschehen möglich machte, sondern auch als Projektionsfläche für live übertragene Filmbilder der Bühnenschauspieler diente. Hatte man eben noch Nicole Kidman als Grace im Film verinnerlicht, musste man sich nun auf Katharina Schmalenberg einlassen, die diesem Vergleich nur wenig standhalten konnte. Es wurde ihr jedoch auch in vielerlei Hinsicht schwer gemacht. Warum durfte sie nicht verführerisch schön aussehen. Warum musste man sich nicht um sie sorgen. Viel zu stark wirkte ihr Auftritt im weißen Pelzmantel. Viel zu mondän ihr Pailletten-glitzerndes Kleid. Und viel zu schwach war die Verstärkung ihrer Stimme. Selbst dem Erzähler des Stückes, Guido Lambrecht, musste man versuchen zu verstehen, so zurückhaltend war die Verstärkung eingestellt. Der Pegel wurde wahrscheinlich auf das imitierende Bellen von Lambrecht justiert, was als laut und deutlich bis in die letzte Reihe zu hören war. Aber dies sind ja nur “Äußerlichkeiten”. Man hätte sie übersehen können, wenn die Inszenierung etwas Neues geboten hätte. Wenn es ihr hätte gelingen können, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. So, wie es der Film tat, der einige der wichtigsten Preise für sich gewinnen konnte. Die Chance des Theaters, zeitliche Bezüge zu setzen, die Zuschauer nachdenklich zu stimmen, wurden gänzlich vertan. Lars von Trier ist es gelungen, mit den Mitteln des Theaters einen Film auf die Leinwand zu bringen. Bastian Kraft lässt in seiner multimedialen Herangehensweise leider nur den Versuch einer Adaption des Filmes für das Theater erkennen. Somit ist auch hier das Original der Kopie weit überlegen. hsf


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